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Die OGNK stellt in der Vorstandssitzung vom 11.5.2010 bzgl. laufenden Diskussion NEF-System vs. NAW-System fest:

  1. Das NEF-System ist ein ausgereiftes System der notfallmedizinischen Versorgung, wobei festgehalten wird, dass das Patienten-Outcome nicht durch noch schnellere Eintreffzeiten, im Gegensatz zum NAW, verbessert werden kann, sondern durch ein frühzeitiges Eingreifen durch Ersthelfer.
  2. Das duale System ermöglicht nach entsprechender notfallmedizinischer Therapie und Übergabe des Patienten an die Besatzung des SEW eine schnellere Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft des NEF.
  3. Das NEF-System in der derzeitigen Form ist verbesserungswürdig. Dies betrifft v.a. den vom Notarzt begleiteten Patiententransport.

Zum Punkt 3 folgende Ausführungen:

Die Euronorm 1789 und 1865 regeln die Ausstattung und das nötige Raumangebot zur Patientenversorgung der Fahrzeuge. Es werden folgende Typen unterschieden:

Typ A1 und Typ A2 Patient Transport Ambulance (PTA)

Krankentransportwagen (KTW)

Typ B Emergency Ambulance (EA)

Notfallkrankenwagen

Typ C Mobile Intensive Care Unit (MICU)

Rettungstransportwagen (RTW)

Die Typen A1 und A2 sind ausschließlich für den Transport und nicht für die notfallmedizinische Erstversorgung vorgesehen.

Die Type B ist für den Transport, die Erstversorgung und die Überwachung von Patienten konstruiert und ausgerüstet.

Die Type C ist für den Transport, die erweiterte Behandlung und die Überwachung von Patienten konstruiert und ausgerüstet.

In Oberösterreich kommen hauptsächlich, abgesehen von einigen RTW, Notfallkrankenwagen zu Einsatz. Die Ausstattung ermöglicht allerdings keine erweiterte notfallmedizinischen Versorgung (z.B.: durch anwesende Praktiker).

In keinem Fall können diese Notfallkrankenwagen als RTW im Sinne der EN betrachtet werden. Die suffiziente Behandlung eines Notfallpatienten ist aufgrund der Raumverhältnisse oft nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Das oftmals vorgetragene Argument, dass auch der Notarzthubschrauber ein nur geringes Platzangebot habe und trotzdem die effiziente Behandlung möglich sei, ist insofern nicht nachvollziehbar, da er reines Transportmittel und für eine erweiterte Behandlung wieder landen muss.

Die erweiterte notfallmedizinische Behandlung von instabilen Patienten ist einem RTW (im Sinne der EN) als deutlich besser durchführbar zu beurteilen als in einem Notfallkrankenwagen.

In diesem Sinne ist auch die dzt. Einkaufspolitik von Rettungsorganisationen nicht nachvollziehbar, da es in einem dualen System zweckmäßig und sinnvoll ist eine entsprechende Anzahl RTW (im Sinne der EN) vorzuhalten und diese zum NEF parallel zu alarmieren.

In ebendiesem Sinne ist auch die Stellungnahme der DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin) vom November 2000 zu verstehen. Laut dieser soll zur Versorgung von Notfallpatienten vorrangig Wägen der Type C (RTW) eingesetzt werden. Wägen der Type B blieben dem Ausnahmefall vorbehalten, wenn z.B. kein RTW verfügbar ist.

Die Euronorm ist nicht unbedingt als verbindlich zu betrachten. Sollte es allerdings im Rahmen eines Unfalls eines Rettungsmittels mit Personenschaden kommen, so wird diese in der Rechsprechung in der zur Fahrzeuganschaffung geltenden Fassung als Normativ in betracht gezogen.

In OÖ wurde, bis auf Ausnahmen, dieser Empfehlung nicht Rechnung getragen. Auch wurde kein Kontakt zur mit unserer Gesellschaft gesucht um eine Stellungnahme aus notfallmedizinischer Sicht zu erhalten.

Dr. Andreas Pauker, Dr. Daniel Kiblböck, Dr. Günther Huemer

für den Vorstand der OGNK